Unternehmen & Märkte

NECKERMANN-INSOLVENZ | 28.09.2012

Neckermann vor dem Ausverkauf

Letzte Schicht für die meisten Mitarbeiter, hohe Rabatte für die Kunden: Das wars für das Traditionsunternehmen Neckermann. "Der Markt hat entschieden", sagt der Insolvenzverwalter.

Neckermann-Zentrale in Frankfurt, Foto: Hanno Bender

Neckermann-Zentrale in Frankfurt: 70 Prozent Nachlass

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Dieser Freitag ist der letzte Arbeitstag für die meisten der rund 2.000 Neckermann-Beschäftigten: Nachdem am Donnerstag der letzte Übernahmeinteressent abgesprungen war, ist der insolvente Versandhändler nicht mehr zu retten und wird abgewickelt - 62 Jahre nach seiner Gründung durch den Kaufmann und späteren Sportfunktionär Josef Neckermann.

Am Montag (1. Oktober) beginnt dann der finale Ausverkauf. Für diesen Tag ist auch die Eröffnung des ordentlichen Insolvenzverfahrens geplant. Den meisten Beschäftigten am Stammsitz Frankfurt und in Sachsen-Anhalt droht zunächst die Arbeitslosigkeit.

Die Letzten machen das Licht aus


Nur eine kleine Rumpfmannschaft soll noch bei der Abwicklung des Unternehmens helfen. Während die letzten Waren an Großabnehmer gehen sollen, will die Insolvenzverwaltung im Auftrag der Gläubiger unter anderem die Markenrechte, Internet-Adressen und die Kundenliste von Neckermann zu Geld machen.

Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten zuvor  abgewunken, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen.

Dem letzten, erst kurzfristig eingesprungenen Interessenten habe die Zeit zur Prüfung auch kartellrechtlicher Fragen gefehlt. "Der Markt hat entschieden, dass dieses Unternehmen nicht mehr zu retten war. Vollprofis haben sich das Unternehmen angesehen und festgestellt, dass die Kosten für ein Durchstarten viel zu hoch gewesen wären", bilanzierte Kühne.

Sprung in die neue Zeit nicht geschafft


Nach Meinung von Experten hat der klassische Katalogversender Neckermann den Wandel zum Internetversender nicht geschafft. Zahlreiche Eigentümer- und Managementwechsel haben wichtige Investitionen zum Beispiel in die Informationstechnologie verhindert.

Zuletzt hatte der US-Investor Sun Capital weitere Geldspritzen abgelehnt und das Unternehmen in die Pleite entlassen. Gerettet werden konnte lediglich die auf Übergrößen spezialisierte Tochter "Happy Size", die mit 80 Arbeitsplätzen an den Konkurrenten Klingel aus Pforzheim verkauft wurde.

Bereits in den vergangenen Wochen waren Produkte mit hohen Rabatten an die Kunden gebracht worden. Bis zu 70 Prozent betragen aktuell die Nachlässe, etwa auf Uhren und Schmuck, ausgewählte Spielwaren sind 60 Prozent billiger. Viele Artikel erscheinen auf der Internet-Seite allerdings bereits mit dem Vermerk "ausverkauft". Laut Insolvenzverwalter Kühne wird noch so lange ausgeliefert, wie Waren über die Seite bestellbar sind.

dpa

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