Unternehmen & Märkte

PEAK-KONGRESS 2013 | 07.05.2013

Peak in Berlin: Händler begehren gegen EEG-Umlage auf

Die Kosten der Energiewende umtreiben den Mittelstand - und wurden auf dem Peak-Kongress in Berlin heiß diskutiert. Der Umweltminister war nur als Videobotschafter präsent.

Präsident Hollmann, Foto: Santiago Engelhardt

Präsident Hollmann: "Frust und Unmut"

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Es ist für einen Kongress immer bedauerlich, wenn der angekündigte Stargast kurzfristig absagen muss. Bundesumweltminister Peter Altmaier entschied sich dann doch für eine Teilnahme beim vierten "Petersberger Klimadialog" mit Kollegen aus 35 Nationen - anstatt für das siebte Peak-Symposium, das heute und morgen ebenfalls in Berlin tagt.

Merkwürdig und peinlich für das Ministerium, denn Altmaier hatte sein Kommen hierfür bereits im August 2012 zugesagt, und der Klimadialog wurde gewiss nicht über Nacht terminiert. Das kam bei den anwesenden Mittelständlern nicht gut an. Immerhin übermittelte Altmaier dem Kongress eine nette Videobotschaft.


Sorgen aus erster Hand


"Leitwährung Mittelstand - verlässlich und systemrelevant" heißt das Motto des diesjährigen Symposiums, das der Mittelstandsverbund ZGV und Der Handel organisieren.

Altmaier hätte dort an diesem Dienstag aus erster Hand erfahren können, welche Sorgen der mittelständische Einzelhandel mit der sogenannten Energiewende hat. Denn nicht nur Wolfgang Mücher, Vorstand Edeka Minden-Hannover, vermisst bei diesem gewaltigen Projekt schlichtweg wirtschaftlichen Sachverstand.

In einem Vortrag mit viel Furor listete Mücher auf, welche Kosten die EEG-Umlage für eine einzige Edeka-Filiale mit sich zieht. Waren es im Jahr 2012 noch 17.960 Euro, ist diese Abgabe für das Jahr 2013 bereits auf 26.500 Euro angestiegen.

Dazu passt, dass an diesem Dienstag ein Bündnis aus sieben Wirtschaftsverbänden die Abschaffung der Umlage gefordert und dafür plädiert hat, die Umstellung auf Erneuerbare Energien aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Die Initiative bekommt Unterstützung von Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), das über die Anträge von Industrieunternehmen, die von der Ausgleichsregelung profitieren wollen, befindet.

Bafa-Präsident Arnold Wallraff sagte dem "Handelsblatt", dass die Entlastung großer Stromverbraucher zu zusätzlichen Belastungen der nicht privilegierten Unternehmen, führe. Diese Unternehmen würden aber zwei Drittel der Freistellungsbelastung tragen. "Das trifft alle Unternehmen, die keinen hohen Stromverbrauch haben, und damit oft solche, die wissensbasiert sind", kritisierte er. Mittelstandsverbund-Präsident Wilfried Hollmann hat auf dem Peak-Kongress folglich "Frust und Unmut" über die ungerechte Lastenverteilung ausgemacht.

Kosten der Energiewende gerecht verteilen


Bundesumweltminister Altmaier wiederum versicherte den Peak-Teilnehmern per Videobotschaft, er teile die Sorgen des Mittelstandes wegen der stetig steigenden Strompreise. Der Minister versprach: "Die Lasten der Energiewende muss gerecht auf mehrere Schultern verteilt werden."

Was das heißen könnte, versuchte der Leiter seines Leitungsstabes zu erklären. Jörg Semmler war als Altmaiers Vertreter zum Peak gekommen und betonte, dass die Erhöhung des Strompreises Innovationen und Investionen hemmen würden.

"Der Minister ist ein enger Verbündeter des Mittelstandes", versicherte Semmler. Die Kosten der Energiewende müssten vertretbar bleiben, der Dialog mit kleinen und mittelständischen Unternehmen solle verbessert werden.

Nette Worte, die Sorgen bleiben


Ob Semmlers Werben um Verständnis bei dem mittelständischen Publikum gefruchtet hat, wurde nicht ganz klar. Zu groß ist bei den Unternehmern weiterhin die Angst, dass vor allem sie die Lasten der Energiewende tragen müssen - weniger die energieintensiven Großkonzerne, die von der "Besonderen Ausgleichsregelung" profitieren.

Edeka-Vorstand Mücher nutzte die Gelegenheit gleich noch, um seinen Ärger über die Reform der Rundfunkgebühren los zu werden, die drastisch steigende Kosten für filialisierte Handelsunternehmen nach sich zieht. "Das ist der blanke Hohn", wetterte er, und dafür gab es stürmischen Applaus der Teilnehmer, weil ihnen hier aus der Seele gesprochen wurde.

Die Butlers-Atmosphäre


Angesichts dieser Grundsatzkritik an gefühlter staatlicher Ungerechtigkeit war es dann an Wilhelm Josten zu zeigen, welche Kraft und Erneuerungsfähigkeit mittelständische Handelsbetriebe trotzdem entwickeln können.

Der Gründer und Chef des Wohnaccesoires-Händlers Butlers verblüffte etwa mit stattlichen Verkaufszahlen von eigenen Musik-CDs - obwohl doch der Markt immer weiter einbricht. Und sogar Bücher kann Butlers verkaufen, nämlich per eigener Edition der Klassiker der Weltliteratur.

Wie passt das zusammen? Für Josten geht es um den "athmosphärischen Hintergrund" seiner Läden. Wer sich Dinge fürs schöne Wohnen kaufen will, der schätzt eben alles, was das Leben in den eigenen vier Wänden angenehmer macht.

Für Butlers hat die Zukunft des Handels längst begonnen, in vielem wirkt Josten der Branche voraus. Beispielsweise mit der klaren Positionierung als Multichannel-Händler mit den Bereichen stationär, Onlineshop und Kataloggeschäft.

Und bei den Prognosen beweist Josten, dass er das künftige Konsumentenverhalten verstanden hat. 2012 betrug der Anteil der Butlers-Onlineshop am Gesamtumsatz des Unternehmens noch 12 Prozent, 2013 werden 20 bist 25 Prozent erwartet, im Jahr 2015 sollen es 37 Prozent sein - und schon im Jahr 2018 sollen das stationäre und das digitale Geschäft sich die Umsätze gleichermaßen teilen.

Die harte Leitwährung Mittelstand


Und den Onlinekanal nutzt Butlers sogar bei der Gewinnung von Fremdkapital: Sozusagen per Mausklick können die Kunden Genusscheine des Unternehmens zeichnen. Vier Millionen Euro will Butlers damit einnehmen - einen hohen sechsstelligen Betrag habe man bereits zusammen, so Josten.

Im Durchschnitt würden die Interessenten zwischen 4.000 und 5.000 Euro anlegen. 100 Euro ist die Mindesteinlage, aber es gebe auch Anleger, die "ohne mit der Wimper zu zucken, 20.000 bis 40.000 Euro investieren".

Offenbar ist die "Leitwährung Mittelstand" gerade in Zeiten wie diesen tatsächlich eine sehr harte.

Steffen Gerth, Berlin

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