Unternehmen & Märkte

PEAK-SYMPOSIUM | 11.05.2010

"Wir brauchen die volle Power des Mittelstands"

Finanzkrise, Griechenlandkrise - die Zeiten sind schwierig. Das vierte Peak-Symposium sucht nach Fragen und findet eine große Antwort: Genossenschaftliches Arbeiten ist der Schlüssel zum Erfolg.

dm-Gründer Werner auf dem Peak-Symposium in Berlin: Menschen im Vordergrund. Foto: S. Engelhardt

dm-Gründer Werner auf dem Peak-Symposium in Berlin: Menschen im Vordergrund

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In einem Jahr wie diesem darf eine Prognose zum weltgrößten Sportspektakel nicht fehlen. Schon gar nicht, wenn es ein Repräsentant einer der großen Sponsoren der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor Ort ist.

"Unser Team braucht ein bisschen Glück", sagte Werner Wolf, Sprecher der Geschäftsführung der Bitburger Baugruppe auf dem Peak-Symposium in Berlin. Und dann könne es bei der Weltmeisterschaft in Südafrika "vorne mitspielen."

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Glück kann man zwingen, hat der Bundesligatrainer Jupp Heynckes vor langer Zeit aber auch einmal behauptet und damit sagen wollen, dass sich Engagement, ein guter Plan und Glauben an die eigene Stärke irgendwann auszahlen. Von Sportlern können auch Wirtschaftsmanager gelegentlich viel lernen - und umgekehrt.

Mehr Konzept - in allen Lebenslagen


Das Motto "Mehr Konzept - mehr Erfolg!" gilt schließlich für fast alle Lebenslagen und war deshalb als Leitmotiv des diesjährigen Peak-Symposiums richtig gewählt. Zum vierten Mal luden der Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) und das Wirtschaftsmagazin Der Handel zum mittelständischen Netzwerktreff für Verbundgruppen und Franchisesysteme.

Über 200 Vertreter verschiedener Branchen sind nach Berlin gekommen, heute und morgen soll diskutiert werden, welche Art des Wirtschaftens heute gefragt ist - in einer Zeit, in der wegen Finanz- und Griechenlandkrise vieles in Bewegung und noch mehr unklar ist.

"Wir brauchen jetzt die Quer- und Mitdenker", forderte Michael Schellenberger, Geschäftsführer des Deutschen Fachverlages. Und: "Wir brauchen die volle Power des Mittelstandes."

Ihre Fragen, bitte


Das klingt kämpferisch. Bei Professor Götz W. Werner klingt die Erfolgsformel für die neue Zeit ganz anders. "Wir benötigen konstruktive Unzufriedenheit", sagte der Gründer von dm-drogeriemarkt und Chefanthroposoph des deutschen Einzelhandels. "Nur kreative Fragen verändern ein Unternehmen".

Werners Rat: Alle müssen einen Sinn sehen, indem, was sie tun. Das betrifft die Kunden, die Gründe suchen, in Märkte zu kommen (1,1 Millionen Kunden machen das täglich bei dm deutschlandweit). Und die Mitarbeiter, die motiviert in diesen Märkten arbeiten sollen.

Wie dieser hehre Anspruch funktioniert? "Durch Wertschätzung. Unsere Gesellschaft ist aber mehr von Geringschätzung geprägt." Für Werner ist es daher ein Graus, wenn Unternehmen von Personalkosten immer in einem negativen Zusammenhang, quasi von Ballast reden. Der Drogeriehändler sieht das Personal als bestimmenden "Leistungsgenerator" in einem Unternehmen, "und wenn wir diesen Wert nicht schätzen, dann gehen wir unter".

"Genossenschaft ist ein Erfolgsmodell"


Auch für Günter Althaus ist Wertschätzung ein Fundament für erfolgreiches Arbeiten. Der Vorstandsvorsitzende der Ariston-Nord-West-Ring (ANWR) gab ein deutliches Plädoyer für Verbundgruppen ab, "denn die Genossenschaft schlechthin ist einfach ein Erfolgsmodell."

Wenn Althaus spricht, dann wirkt er zwar im Gegensatz zum emotionalen Werner als kühler Betriebswirtschaftler - doch inhaltlich sind der ANWR-Chef und der Drogiermarktgründer gar nicht weit von einander entfernt. So betont auch Althaus, dass ihm nicht nur um den materiellen Mehrwert bei der Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern gehe.

Der Mensch zuerst heißt es auch bei ANWR, der Zeitgeist-Begriff "Social Network" hat deswegen auch in der Mainhausener Zentrale eingehalten. Artverwandt ist außerdem der Anspruch des "Informativen Managements", durch das die Mitglieder regelmäßig informiert werden.

Vertrauen ist besser


Markiert also der imaterielle Mehrwert den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Unternehmen? Es sieht danach aus. Denn wenn Wilhelm Weischer davon spricht, dass sein Unternehmen BabyOne im Jahr 2009 zum zweiten Mal als "Franchisegeber des Jahres" ausgezeichnet worden ist, dann rattert der Geschäftsführer nicht nur Bilanzzahlen herunter, sondern nennt den Hauptgrund für diese Prämierung: gegenseitiges Vertrauen.

So sieht Weischer sich nicht als eine Art Diktator sondern als Partner, der beispielsweise seinen Franchisenehmern gestattet, 30 Prozent der Ware im Geschäft nach den jeweiligen regionalen Bedürfnissen anzupassen. Zudem müssen BabyOne-Franchise-Nehmer nur 10 Prozent Werbeware abnehmen, den Rest können sie theoretisch frei einkaufen. Das tun sie aber nicht, sondern die Partner beziehen im Durchschnitt über 94 Prozent ihrer Waren über die Franchisezentrale.

Arbeiten in Feng Shui-Kulisse


Es scheint, als ob in den Jahren der schweren Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten die sogenannten weichen Faktoren neu entdeckt - und auch gelebt - werden. Wenn Weischer davon schwärmt, dass sich seine Mitarbeiter in der 2003 fertiggestellte Firmenzentrale wohl fühlen, dann kann das auch damit zusammen hängen, dass das nach Feng-Shui-Gesichtspunkten erbaut worden ist.

Womit man wieder bei Michael Schellenberger wäre, der sagt: "Der Mensch muss im Mittelpunkt des Geschehens stehen." Das ist eigentlich keine neue Botschaft, gerade für Handelsunternehmen. Aber sich daran zu erinnern, ist derzeit wichtiger denn je. Die "Kreativschmiede" Peak, wie es ZGV-Präsident Wilfried Hollmann formuliert, hat das richtige Thema zur richtigen Zeit gefunden.

Steffen Gerth

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