Unternehmen & Märkte

PRAKTIKER-SANIERUNG | 04.07.2012

Praktiker vor dem Showdown

Auf der heutigen Hauptversammlung der Praktiker AG entscheidet sich, ob der Baumarktkonzern eine Zukunft hat. Die Finanzierung der Restrukturierung ist noch offen. Im schlimmsten Fall droht die Insolvenz.

Schicksalhaft: Die Eröffnung der Praktiker-Hauptversammlung in Hamburg. Foto: Hanno Bender

Schicksalhaft: Die Eröffnung der Praktiker-Hauptversammlung in Hamburg

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Bis tief in die Nacht wurde in Hamburg verhandelt und beraten, um 9 Uhr, eine Stunde vor Beginn der heutigen Hauptversammlung, saßen Vertreter des Aufsichtsrats der Praktiker AG und der Investorin Isabella de Krassny erneut am Verhandlungstisch, um eine Lösung zu finden.

Die Großaktionärsvertreterin de Krassny, die für rund 15 Prozent der Aktionäre spricht, will eine personelle Neubesetzung im Vorstand und Aufsichtsrat der Praktiker AG herbeiführen und den ehemaligen OBI-Chef Andreas Sandmann zum Vorstandschef küren.

Darüber hinaus will die fünffache Mutter, die in Österreich als Schrecken der Vorstände und Aufsichtsräte gilt, ihre Vorstellungen vom Sanierungskurs durchsetzen, die sich vom Restrukturierungsprogramm der Unternehmensberatung Ronald Berger (Umwandlung von 120 der 234 Praktiker-Standorte zu Max-Bahr-Märkten) unterscheiden.

De Krassnys Team weiß auf der heutigen Hauptversammlung 16 Prozent der anwesenden Aktionäre hinter sich. Insgesamt sollen lediglich 38 Prozent der Praktiker-Aktionäre vor Ort vertreten sein, wie derhandel.de aus Verhandlungskreisen erfuhr.

Zur Zusammenarbeit verdammt


Daher muss der Aufsichtsrat eine Einigung mit der Vertreterin des Maseltov-Fonds und der Semper Constantia Bank finden, die sonst wohlmöglich sämtliche Entscheidungen blockieren könnte.

Einen Antrag zur Neubesetzung des Aufsichtsrats hatte das Unternehmen im Vorfeld aus formalen Gründen abgeschmettert, bei dem sich anschließenden Gerichtsverfahren unterlag die Österreicherin.

Auf der Tagesordnung steht das umstrittene Finanzierungskonzept der Investmentgesellschaft Anchorage Europe, die Praktiker ein Darlehen in Höhe von 85 Millionen für die Sanierung bereitstellen will, sich aber im Gegenzug die Rechte an Max Bahr - der Perle des Praktiker Portfolios - verpfänden lassen will.

Personelle Änderungen sind laut Tagesordnung nicht vorgesehen. Vorstand und Aufsichtsrat signalisierten jedoch im Vorfeld Gesprächsbereitschaft.

Ziel von de Krassny ist es, zwei Aufsichtsratsmandate zu erlangen und den aktuellen Vorstandschef Kay Haffner durch den Baumarktexperten Sandmann zu ersetzen. Auch der aktuelle Finanzvorstand Markus Schürholz soll gehen. Die Fondsmanagerin braucht personellen Einfluss auf den angeschlagenen Konzern, um weitere Finanzierungsquellen bei Banken und privaten Geldgebern zu erschließen.

Denn selbst mit dem Anchorage-Darlehen und der geplanten Kapitalerhöhung reicht das Geld für die geplante Sanierung nicht. Derweil winkt de Krassny mit einem alternativen Finanzierungskonzept, sofern sie ihre Personalvorstellungen durchsetzen kann.

Drei-Säulen-Konzept von de Krassny


Die Aktionärsvertreterin verfolgt konzeptionell eine Drei-Säulen-Strategie: Personelle Erneuerung im Vorstand, Umwandlung kleinerer Märkte in ein Franchisesysteme und eine echte Discounterstrategie für Praktiker-Märtke, die nicht in Max Bahr umgewandelt werden können. Das Konzept unter dem Namen "Spark" sieht die Umwandlung von lediglich 60 bis 80 Praktiker-Standorten zu Max Bahr-Märkten vor. Bislang verfügt sie jedoch nicht über genügend Einfluss auf die AG.

"Entweder es kommt zu einem Kompromiss und de Krassny stimmt dem auf der Tagesordnung stehenden Finanzierungskonzept unter Bedingungen zu - oder es droht sogar die Insolvenz von Praktiker", sagt ein Teilnehmer der nächtlichen Verhandlungen, der nicht zitiert werden möchte.

Auf der heutigen Hauptversammlung im Curio-Haus in Hamburg kann alles passieren. derhandel.de hält Sie auf Twitter unter dem Hashtag #praktiker auf dem Laufenden.

Hanno Bender, Hamburg

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