Unternehmen & Märkte

PRAKTIKER-SANIERUNG | 04.07.2012

Praktiker-Vorstand droht mit Insolvenz

Die turbulente Hauptversammlung von Praktiker zeigt, wie verbissen Vorstand und Aktionäre um die Macht im Unternehmen kämpfen. Für den Baumarktkonzern geht es ums Überleben.

Will 2014 wieder schwarze Zahlen schreiben: Praktiker-Vorstandschef Hafner auf der Hauptversammlung. Foto: Bender

Will 2014 wieder schwarze Zahlen schreiben: Praktiker-Vorstandschef Hafner auf der Hauptversammlung

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"Sie entscheiden heute, ob Praktiker eine Zukunft hat", sagte Praktiker-Vorstandschef Kay Hafner bei der Eröffnung der Hauptversammlung der Baumarktkette an diesem Mittwoch in Hamburg. Auch Aufsichtsratsvorsitzender Kersten von Schenck gab zu bedenken: "Es geht um die Zukunft des Unternehmens und von 24.000 Mitarbeiten."

Aktionäre und Journalisten erleben eine wahrlich dramatische Hauptversammlung in der Hansestadt: Auf der einen Seite warb der Vorstand um Zustimmung für sein Rettungspaket. Auf der anderen Seite machte Großaktionärsvertreterin Isabella de Krassny Stimmung gegen die Praktiker-Führung und pochte auf einen anderen Sanierungskurs.

Auf der Tagesordnung steht unter anderem das umstrittene Finanzierungskonzept der Investmentgesellschaft Anchorage Europe, die Praktiker ein Darlehen in Höhe von 85 Millionen für die Sanierung bereitstellen will, sich aber im Gegenzug die Rechte an Max Bahr - der Perle des Praktiker-Portfolios - verpfänden lassen will.

De Krassny fordert drei neue Vorstände


Der Praktiker-Konzern geriet durch eine verfehlte Rabattstrategie und schwache Auslandsmärkte ins Schlingern und braucht eine Kapitalspritze von mehr als 200 Millionen Euro. Hafner hofft, dass der größte Einzelaktionär - die zypriotische Finanzgesellschaft Maseltov, die zehn Prozent der Anteile hält - den Sanierungskurs unterstützt.

Die österreichische Fondsmanagerin de Krassny, die Maseltov sowie die österreichische Privatbank Semper Constantia vertritt, bei der rund 5 Prozent der Anteile liegen, verlangte jedoch den Rücktritt aller Aufsichtsräte. Sie möchte Hafner durch den ehemaligen Obi-Chef Andreas Sandmann ersetzen. Insgesamt pocht de Krassny auf drei neue Vorstände. Einigungsversuche zwischen dem Aufsichtsrat und de Krassny im Vorfeld der Aktionärsversammlung scheiterten jedoch.

"Wir haben keine Investoren gefunden, die den bestehenden Vorstand unterstützen würden", begründete sie ihre Forderungen auf der Hauptversammlung. Ihr Auftritt wirkte jedoch wenig souverän, die Stimme der als "Vorstandsschreck" bekannten Österreicherin brach fast weg, als sie ihre Rücktrittsforderung an den Aufsichtsrat adressierte. De Krassny stellte den Aktionäre eine Alternative zur Finanzierung durch das Anchorage-Darlehen für ihr Sanierungskonzept in Aussicht.

Die Fragen der Aktionäre brachten den Vorstand mächtig ins Schwitzen - und das nicht nur, weil es in dem 1908 errichteten Curio-Haus an der noblen Rothenbaumchaussee in Hamburg, keine Klimaanlage gibt.

Finanzchef droht mit Totalverlust


Finanzvorstand Markus Schürholz schilderte die aus seiner Sicht prekäre Lage des Konzerns und richtete einen drastischen Appell an die Aktionäre: Lehnten sie den Sanierungskurs und das Finanzierungskonzept des Vorstands ab, dann drohe dem Unternehmen die Insolvenz. "Ihre Zustimmung ist alternativlos", sagte er. "Wenn Sie Darlehen und Kapitalerhöhung nicht zustimmen, droht Ihnen der Totalverlust."

Seine Aussage wird jedoch von Beobachtern als leere Drohung angesehen. Auch de Krassny bestritt die drohende Insolvenzgefahr. "Es wird totgeredet. Das nervt mich", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Während zahlreiche Aktionärsvertreter die Bühne nutzen, um Vorstand und Aufsichtsrat scharf für die Mißwirtschaft in den zurückliegende Jahren zu kritisieren ("Sie haben die Aktie auf den Wert eines Schokoriegels geschreddert."), verhandelte de Krassny hinter den Kulissen weiter mit Vertretern des Aufsichtsrats über einen Ausweg aus der verfahrenen Situation. Auch Ulrich Grillo, designierter BDI-Präsident und Mitglied des Aufsichtsrats der Praktiker AG, schaltete sich in die Vermittlungsgespräche ein.

Praktiker-Vorstandsvorsitzender Hafner war im Mai vom Aufsichtsrat auf den Chefsessel des Baumarktkonzerns gewechselt. Sein neues Sanierungskonzept sieht vor, 120 der 234 Praktiker-Märkte auf die Marke Max Bahr umzuflaggen.

Der Praktiker-Konzern verbuchte im vergangenen Jahr rund eine halbe Milliarde Euro Verlust - bei einem Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro. "Wir wollen spätestens 2014 wieder schwarze Zahlen schreiben", sagte Hafner heute.

Hanno Bender (Hamburg), dpa, mar

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