Unternehmen & Märkte

QUELLE-INSOLVENZ | 18.12.2009

Für Quelle läuft der Countdown

Beim insolventen Versender Quelle gehen am Samstag die Lichter aus. Dann schließen auch die stationären Technikcenter - für immer. Die Mitarbeiter trauern und kämpfen mit den Tränen.

Die Quelle-Technikcenter schließen für immer. Foto: Hanno Bender

Die Quelle-Technikcenter schließen für immer

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Der Abverkauf in den gut dreißig noch verbliebenen Technikcenter endet am 19. Dezember, dann werden die Läden endgültig geschlossen. Das traditionsreiche Quelle-Einkaufszentrum in Nürnberg hat am Samstag ebenfalls letztmals geöffnet.

Der nach dem Ausverkauf verbliebene Warenbestand mit einem Volumen von knapp 50 Millionen Euro soll nun an Drittverwerter verkauft werden, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, am Freitag. Der Abverkauf im Internet war bereits Ende November eingestellt worden.

Als letzte operative Gesellschaft von Quelle wurde der technische Kundendienst Profectis verkauft. Das soll die Wartung von Geräten der einstigen Quelle-Eigenmarke Privileg sichern.

"Wie will man da Heiligabend feiern?"


An der Basis herrscht derweil tiefer Frust. "Weihnachten fällt dieses Jahr aus", sagt Verkäuferin Michaela Zeug. Frustriert blickt sie auf leere braune Kartons, die sich vor ihr auf dem Rollwagen stapeln. "Wie will man denn da Heiligabend feiern?" Am Samstag wird das Nürnberger Quelle-Kaufhaus, in dem sie 19 Jahre lang gearbeitet hat, für immer geschlossen.

Die vergangenen Wochen waren eine große Belastung für alle Mitarbeiter. "Wir hatten in den letzten Monaten einen deutlich höheren Krankenstand", sagt der Geschäftsführer des Einkaufszentrums, Frank-Peter Grätz. "Die Leute sind emotional stark betroffen. Ich habe noch nie so viele Menschen traurig und weinen sehen", schildert der 61-Jährige. Etwa drei Viertel der verbliebenen 100 Mitarbeiter gehen am Montag in die Arbeitslosigkeit.

Kündigung über Nacht


Eine gespenstische Atmosphäre herrscht in den Hallen und Fluren des Nürnberger Quelle-Versandzentrums. Die meisten Arbeitsplätze sind längst nicht mehr besetzt; vereinzelt hört man noch jemanden auf der Tastatur herumklappern.

Die Leute hier haben schon ihre Kündigung in der Tasche; niemand wisse, wann nun die "Freistellung" komme, sagt einer. Meist wird sie vom Insolvenzverwalter von heute auf morgen ausgesprochen: "Das ist wie Russisches Roulette."

Der Pressesprecher sichert historisches Material


Ruhig geworden ist es auch in der einstigen Quelle-Machtzentrale in Fürth, wo viele Räume leer stehen. An den Porträts der einstigen Firmenpatriarchen Grete und Gustav Schickedanz in der Eingangshalle kommt kein Besucher vorbei.

Unterdessen hat der frühere Unternehmens-Pressesprecher Manfred Gawlas mit der Sicherung von wichtigen Zeugnissen der Firmengeschichte begonnen. Gerade noch rechtzeitig vor dem Anrücken der Räumkommandos hat er zusammen mit Kollegen in Büros, Kellern und Versandhallen historische Quelle-Kataloge, Fotos, Filme, Werbeschilder und Kundenbriefe der Gründerfamilie gesichert.

Samstag, 17 Uhr, ist Feierabend - für immer


Ermuntert hat ihn dazu der Leiter des Nürnberger Museums für Industriekultur, Matthias Murko. Dieser war beim Anblick der teils jahrzehntealten Archivalien begeistert: "Das sind wahre Schätze, die dürfen nicht verloren gehen." Alte Fotoapparate und andere Produkte ergänzen inzwischen die Sammlung.

Im Quelle-Kaufhaus kommt bei den Verkäuferinnen Wehmut beim Anblick der nackten Regalwände auf. Wo sich früher teure Uhren in den Glasscheiben der Auslagen spiegelten, stehen heute leere Schmuckschachteln für den Niedergang des Traditionshauses.

Wenn das Haus am Samstag um 17 Uhr zum letzten Mal geschlossen wird, wollen sie sich alle noch einmal zusammensetzen. "Dann verabschieden wir uns voneinander. Es war halt eine Familie, trotz alledem", sagt Verkäuferin Zeug und kämpft mit den Tränen.

Klicken Sie hier für eine Bildergalerie zur Historie von Quelle.

dpa

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