Finanzen & Karriere

SCHLECKER-INSOLVENZ | 03.09.2012

Bei Schlecker droht Masseunzulänglichkeit

"Es ist nichts mehr da", sagte einst Meike Schlecker. Für die Gläubiger der insolventen Drogeriekette gilt das auf jeden Fall, vor allem für die Bundesagentur für Arbeit.

Insolvenzverwalter Geiwitz, Foto: Grau

Insolvenzverwalter Geiwitz: Weitere Auslandstöchter verkaufen

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Die Insolvenzmasse der Drogeriemarktkette Schlecker reicht voraussichtlich nicht aus, die Ansprüche der Bundesagentur für Arbeit zu bedienen. Beim Insolvenzgericht Ulm sei drohende Massenunzulänglichkeit angezeigt worden, teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Montag mit.

Hauptgrund für diesen Schritt sei die geringe Vermittlungsquote der ehemaligen rund 20.000 Schlecker-Mitarbeiterinnen. Bisher seien weniger als 20 Prozent der Beschäftigten in neue Jobs vermittelt worden.

Die Bundesagentur für Arbeit, die zwischen 60 und 66 Prozent des bisherigen Arbeitsentgelts bis zu einer Vermittlung übernehme, werde diese Zahlungen gegenüber der Insolvenzmasse geltend machen. Damit drohten Masseverbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe.

Bei IhrPlatz sieht es besser aus


Damit drohen die rund 22.000 Gläubigern von Schlecker leer auszugehen. Ohnehin durften sich die Gläubiger nach der Äußerungen von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kaum noch große Hoffnungen machen: "Viel Geld werden sie nicht bekommen. Es ist für viele Gläubiger sicher eine Enttäuschung, aber mehr ist nicht drin", sagte Geiwitz der "Wirtschaftswoche".

Der Insolvenzverwalter der Schlecker-Tochter IhrPlatz, Werner Schneider, ergänzte: "Bei IhrPlatz sieht es etwas besser aus, aber auch hier ist eine Aussage zur Quotenhöhe noch nicht möglich." Die Summe aller Gläubigerforderungen übersteigt nach früheren Angaben eine Milliarde Euro.

Geld werde von Anton Schlecker "rigoros" zurückgefordert


Geiwitz kündigte erneut an, unrechtmäßig übertragene Gelder von Firmenchef Anton Schlecker "rigoros" zurückzufordern. "Es geht um eine Reihe von Vermögensübertragungen an Familienangehörige in den vergangenen Jahren", sagte er.

Dabei drehe es sich um Summen in Millionenhöhe. "Ich mache keine Angaben zur strafrechtlichen Relevanz, aber einige Immobilien oder die entsprechenden Gegenwerte sind eindeutig zurückzugeben." Zudem gebe es "strittige Dinge", die sich für einen Vergleich eigneten. "Sofern es keine Einigung gibt, müssen sich Gerichte damit befassen."

Das meiste Geld ins Unternehmen gesteckt


Wenn insolvenzrechtlich etwas zur Vermögensmasse gehöre, sei er verpflichtet, es zu holen, erklärte Schneider. "Wir können dem Schuldner aber nicht unters Kopfkissen gucken." Geiwitz stellte klar: "Ich verteidige Anton Schlecker nicht." Und weiter: "Er war sicher beratungsresistent. Aber wenn man frühere Vermögenswerte betrachtet, hat er das meiste Geld durch die Insolvenz verloren." Schlecker habe darüber hinaus sehr viel Geld in die Firma gesteckt, als es schon bergab ging. "So viel Unternehmertum muss man erst einmal zeigen."

Einige der Schlecker-Eigenmarken würden nach der Pleite weitergeführt, sagte Geiwitz. Einen Käufer aus der Tabakbranche gebe es für die Zigaretten-Eigenmarke Commodore. Die meisten der 12.000 Schlecker-Mitarbeiter im Ausland seien bereits untergebracht. "Aber einzelne Auslandstöchter müssen wir noch verkaufen. Wir sind mit einem Investor in exklusiven Verhandlungen über das Spanien-Geschäft, und ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst eine Lösung präsentieren können."

Käufer für Vitalsana in Aussicht


Für die Versandapotheke Vitalsana gebe es mehrere Interessenten. "Da bin ich ebenfalls optimistisch, dass wir in den kommenden Wochen eine Lösung haben", betonte Geiwitz.
Parallel kümmere er sich um die Veräußerung von Immobilien. "Dabei geht es um Schätzwerte im niedrigen dreistelligen Millionenbereich."

Die Zahl der noch rund 300 Mitarbeiter in der Schlecker-Zentrale im schwäbischen Ehingen werde laut Insolvenzverwalter in den kommenden Monaten stark sinken. "Ende des Jahres werden wir uns dann überlegen, was wir mit der Immobilie machen. Als weitere zentrale Aufgabe bleibt auch die Auseinandersetzung mit Anton Schlecker und seiner Familie",

Kritik übte der Insolvenzverwalter am Arbeitsrecht. "In Situationen, bei denen es um alles oder nichts geht, wäre ein sanierungsfreundlicheres Arbeitsrecht sinnvoll." Zwar seien Kündigungsschutzklagen individuell nachvollziehbar, hätten in Summe aber oft verheerende Auswirkungen. "Den Mitarbeitern nutzt das am Ende wenig, dem Gesamtverfahren bringt es Chaos. Der Kündigungsschutz an sich hat seine Berechtigung. Aber wenn Leute sich in stillgelegte Betriebe einklagen, wird es absurd."

Durch die im Januar bekanntgewordene Schlecker-Insolvenz verloren gut 25.000 Beschäftigte ihren Job. Bei IhrPlatz arbeiteten zuletzt gut 4.000 Menschen.

dpa

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