Unternehmen & Märkte

SCHLECKER-INSOLVENZ | 29.06.2012

Beschäftigte bangen weiter um die Zukunft von IhrPlatz

Die nächste Woche könnte entscheidend für die Mitarbeiter der insolventen Drogeriekette IhrPlatz werden. Allzu optimistisch klingt der Schlecker-Insolvenzverwalter nicht mehr.

Foto: Christian Grau

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz

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Die Beschäftigten der Schlecker-Tochter IhrPlatz stehen möglicherweise vor einer entscheidenden Woche. Am Montag will Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz seine Gespräche mit Investoren fortsetzen. Doch zuletzt hatte er sich bereits zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten geäußert. Es bestehe für IhrPlatz "noch teilweise Hoffnung", hatte sein Büro mitgeteilt.

Nachdem bei Schlecker bereits rund 25.000 Menschen ihren Job verloren haben, stehen dann erneut fast 4.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Gleichzeitig kämpft der Insolvenzverwalter gegen die vielen Kündigungsschutzklagen von früheren Beschäftigten des Drogerie-Imperiums.

Insolvenzverwalter geht gegen Kündigungsklage vor


Unterdessen will Geiwitz gegen die erfolgreiche Kündigungsklage einer früheren Beschäftigten juristisch vorgehen. Die frühere Filialleiterin hatte vor dem Arbeitsgericht Heilbronn ein Urteil erreicht, wonach ihre Kündigung von Ende März unwirksam ist.

Dem Gericht zufolge war die getroffene Sozialauswahl grob fehlerhaft. So konnte die Frau einen Fall aufzeigen, bei dem einer Kollegin mit weniger Sozialpunkten - dazu zählen Alter und Kinder - nicht gekündigt wurde. Die Klägerin hat nun rückwirkend Anspruch auf ihre Gehälter von April an. Das Urteil war am 21. Juni gefällt worden (AZ: 8 Ca 71/12).

"Interessenausgleich ist zweiseitige Vereinbarung"


"Beim Interessenausgleich handelt es sich um eine zweiseitige Vereinbarung, und die endgültige Sozialauswahl wurde gemeinsam mit dem Betriebsrat getroffen", hieß es dazu von der Insolvenzverwaltung.

Zudem habe es erste Klagen gegeben, die abgewiesen wurden. Ende März war im Zuge der Insolvenz der Drogeriekette rund 10.000 Mitarbeitern gekündigt worden - gut 4.500 von ihnen zogen dagegen vor Gericht.

Die Welle von Kündigungsschutzklagen spielte eine entscheidende Rolle im letztlich erfolglosen Ringen des Insolvenzverwalters um das Überleben von Schlecker. "Der Fall zeigt das Problem sehr klar: Der Anspruch der Frau auf einen Arbeitsplatz geht auf einen Investor über", sagte Geiwitz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag). Dies gab nun anscheinend auch beim Aus für die Schlecker-XL-Filialen den Ausschlag. Am Donnerstagabend wurde verkündet, dass auch die mehr als 1.100 Mitarbeiter der XL-Tochter ihren Job verlieren. Die Investoren hätten ein zu großes Risiko in Zusammenhang mit den Kündigungsschutzklagen gesehen.

170 Filialen in Polen finden offenbar Käufer


Für die knapp 170 Schlecker-Filialen in Polen scheint es hingegen eine Zukunft zu geben. Es gebe weit fortgeschrittene Übernahme-Verhandlungen mit dem polnischen Hygieneartikel-Hersteller Hygienika, bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen hieß es, der Verkauf des Polen-Geschäfts könne hilfreich sein, um einen Investor für Schlecker in Österreich zu finden. In Polen beschäftigt Schlecker 700 Menschen, in Österreich geht es um 3.500 Jobs.

Die Gewerkschaft Verdi forderte unterdessen, aus den Massenentlassungen bei Schlecker zu lernen und das Insolvenzrecht zu ändern. Die derzeitigen Regelungen seien nicht auf die arbeitenden Menschen, sondern allein auf das Geld ausgerichtet, kritisierte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Am Mittwoch waren bereits alle verbliebenen 2.800 Schlecker-Märkte endgültig geschlossen worden.

dpa

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