Unternehmen & Märkte

SCHLECKER-INSOLVENZ | 31.05.2012

Schlecker: "Es geht um Schadensminimierung"

Die Redaktion von derhandel.de sprach mit dem Insolvenz- und Sanierungsexperten Detlef Specovius über die Perspektiven im Fall Schlecker und die Rolle des Insolvenzverwalters.

Die Stunde der Entscheidung bei Schlecker naht. Foto: Marcelo Crescenti

Die Stunde der Entscheidung bei Schlecker naht. Foto: Marcelo Crescenti

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Herr Specovius, was ist von der Sitzung des Schlecker-Gläubigerausschusses am Freitag zu erwarten?

Es wird alles davon abhängen, ob ein Investor ein tragfähiges Konzept und eine Finanzierung präsentiert, auf die sich die Gläubiger einigen können. Nur in diesem Fall werden die Gläubiger weitere Verhandlungen ermöglichen, die dann letztlich in einen Vertrag zur Übernahme von Schlecker durch den Investor führen. Derzeit tragen die Gläubiger die Verluste, die durch den Fortlauf des Geschäftbetriebs tagtäglich entstehen. Für sie geht es um Schadensbegrenzung. Noch einmal acht Wochen ohne konkrete Perspektiven werden die Gläubiger nicht mehr mittragen. Wenn es aber ein stimmiges Konzept und einen Finanzierungsplan für den laufenden Geschäftsbetrieb gibt, wird sich wahrscheinlich niemand weiteren Verhandlungen verweigern, die zeitnah zu einem Vertragsanschluss führen könnten. 
 
Und was geschieht morgen, wenn sich kein Investor mit einem solchen Konzept findet?
Dann werden die Gläubiger mit hoher Wahrscheinlichkeit den Beschluss fassen, dass der Geschäftsbetrieb zeitnah einzustellen ist. Es werden ja dauerhaft Verluste produziert, die mögen zwar niedriger sein als zu der Zeit vor dem Insolvenzantrag, aber es sind nach wie vor signifikante Beträge. Ein Insolvenzverwalter braucht jemanden, der ihm diese Kosten finanziert und das sind die Gläubiger. Wenn die kein Licht am Ende des Tunnels sehen, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig als die Einstellung des Geschäftsbetriebes zu beschließen.

Was würde das konkret für die mehr als 14.300 Mitarbeiter und die Filialen von Schlecker bedeuten?
Der Verwalter ist an die Entscheidung der Gläubiger gebunden. Er wäre dann verpflichtet, sämtliche Arbeitsverträge und Dauerschuldverhältnisse wie Miet- und Leasingverträge zu kündigen. Darüber hinaus muss er für einen geordneten Abverkauf in den Geschäften sorgen, ähnlich wie man es bei der Hertie-Insolvenz im Jahr 2009 erlebt hat.

Gab es Ihrer Meinung nach Versäumnisse oder Fehler im bisherigen Insolvenzverfahren, die zu der verfahrenen Situation geführt haben?
Nein. Die Fehler, die bei Schlecker gemacht wurden, liegen viel länger zurück. Das Unternehmen hatte keine zukunftsfähige Strategie. Es wurde hauptsächlich auf den Preis gesetzt und man hat nicht gemerkt, dass der Kunde längst durchschaut hat, dass die Preise nicht günstig sind. Dazu wurde Schlecker links und rechts von Wettbewerbern wie dm drogeriemarkt, Rossmann oder Müller in Sachen Service, Kundenfreundlichkeit und attraktive Geschäfte überholt. Die negative Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und damit der Kunden war ebenfalls ein Problem. Es braucht mindestens fünf bis sieben Jahre, um ein so schlechtes Image, wie es Schlecker anhaftet, in eine positive Kundenwahrnehmung zu verwandeln. Das kann ein Insolvenzverwalter nicht von heute auf morgen drehen.

Falls sich morgen kein Investor findet, was heißt das für die Person Anton Schlecker?
Schlecker wurde in der Rechtsform des eingetragenen Kaufmanns (e.K.) geführt. Aller Voraussicht nach bedeutet die Insolvenz dann auch eine Privatinsolvenz für Herrn Schlecker. Es könnten zum Beispiel Schadensersatzansprüche aus den gekündigten Mietverträgen auf ihn zukommen.

Interview: Hanno Bender

Foto: Schultze & Braun

Detlef Specovius verfügt über langjährige Erfahrung als Sanierer u.a. von SinnLeffers.

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Zur Person:
Detlef Specovius ist Partner der Kanzlei Schultze & Braun und hat eine 18-jährige Erfahrung als Insolvenzverwalter und Restrukturierer. Er ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und Spezialist für Insolvenzpläne und Eigenverwaltung. In operativer Funktion (Geschäftsführer, Aufsichtsratsvorsitzender, Chief Restructuring Officer) verantwortete er die Sanierung zahlreicher Unternehmen, darunter SinnLeffers und SaarGummi. Die Kanzlei Schultze & Braun mit Sitz in Achern ist auf Insolvenzverfahren und Sanierungsberatungen spezialisiert und betreute unter anderem die Fälle FlowTex, Daewoo Germany, Winterling, Fairchild Dornier und Rosenthal.

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