Unternehmen & Märkte

SCHLECKER-INSOLVENZ | 09.07.2012

Schlecker-Pleite belastet Drogeriemarkt

Nie waren Drogerieartikel so günstig wie jetzt - eine Folge des Schlecker-Ausverkaufs. Für die ehemaligen Filialen gibt es eine Idee, um weiterzumachen. Auch der Online-Shop hat einen Interessenten.

Schlecker, Foto: Crescenti

Schlecker: Zukunft als Genossenschaft?

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Das Ende von Schlecker belastet die Drogeriebranche. Im April und Mai sanken die Umsätze im Vergleich zu den Vorjahresmonaten nach einer GfK-Analyse um jeweils 4,8 und 6,6 Prozent, wie die "Wirtschaftswoche" berichtete.

Nach der Untersuchung der Nürnberger Konsumforscher haben sich zudem Millionen von Haushalten dank der Rabatte in vielen Drogerie-Warengruppen ausreichend mit Artikeln versorgt.

Die Branche "wird folglich an Schlecker noch eine Weile zu leiden haben", schreibt die GfK. Das Hamstern der Kunden werde auch in den nächsten Wochen die Umsätze drücken.

Rabatte, Rabatte, Rabatte


Der Grund sei vor allem der Ausverkauf bei Schlecker zu besonders niedrigen Preisen, hieß es. Nach der Insolvenz hatte der schwäbische Drogerieriese kontinuierlich die Preise gesenkt. Am letzten Verkaufstag, dem 27. Juni, gab es die Reste für je 20 Cent.

Aus Verbrauchersicht positiv wirkt sich dieser Trend weit über die Drogeriebranche hinaus aus. Zahlreiche Discounter hatten bereits Preise vor allem für Drogerieartikel wie Sonnenmilch, Waschmittel oder Kosmetika gesenkt oder dies zumindest angekündigt. Dazu zählen Aldi Süd, Norma, die Edeka-Tochter Netto und Lidl.

Doch auch beim Lebensmittelhandel, wo viele ehemalige Schlecker-Kunden nun ihren Bedarf teilweise deckten, sehen die GfK-Experten laut "Wirtschaftswoche" eine Flaute. Im Drogeriesortiment seien bei SB-Häusern und Discountern Käuferreichweite, Kauffrequenz und Bon-Summe im Mai "durchweg rückläufig" gewesen.

Der Idee von Genossenschaften


Derweil wird über die Gründung neuer Genossenschaften nachgedacht, die frühere Schlecker-Filialen übernehmen könnten. Offen sind nach wie vor auch das Schicksal der insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz sowie die Frage, wie es mit Schlecker Österreich weitergeht.

Um möglichst doch noch bisherige Schlecker-Filialen erhalten zu können, sollen Genossenschaften gegründet werden. Dies sei etwa in Sachsen und Thüringen Thema, sagte der Vorstandschef des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbands, Gerald Thalheim, der Nachrichtenagentur dpa am Samstag in Chemnitz.

"Die Voraussetzungen sind günstig: Wir haben kompetente Verkäuferinnen und zumindest im ländlichem Raum Läden, die sonst leerstehen", so Thalheim. Die Initiative ging von gekündigten Schlecker-Mitarbeiterinnen aus. Insgesamt hatten rund 25.000 Menschen ihren Job beim früheren Drogerieriesen verloren.

Götz Werner liebäugelt mit Onlineshop


Auch im Schlecker-Stammland Baden-Württemberg hat die Gewerkschaft Verdi nach wie vor Hoffnung, einzelne Schlecker-Filialen mit einer Genossenschaftslösung vor dem Aus zu retten.

"Ich erwarte von der Landesregierung, dass sie hier hilft und gegebenenfalls bürgt, damit auch Lieferanten gefunden werden", hatte Landesbezirksleiterin Leni Breymaier der "Stuttgarter Zeitung" gesagt.

Am Onlineshop von Schlecker gibt es Interesse von Götz Werner, Gründer und Aufsichtsrat von dm Drogeriemarkt. "Der Shop hat rund 2,5 Millionen Kunden, das ist ein großes Potenzial", sagte er dem Magazin "Focus". Da viele Kunden dort aber wohl nur einmal etwas bestellt hätten, müsse man "sich fragen, ob es da wirklich Substanz gibt, die uns den Einstieg ins Online-Geschäft erleichtern würde".

"Als würden wir ihm ein Kind wegnehmen"


Die früheren Unternehmensberater der Drogeriekette warfen Firmeninhaber Anton Schlecker unterdessen schwere Fehler vor. So habe der Unternehmer bei dem 2010 entwickelten Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen, sagte Norbert Wieselhuber, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, den "Stuttgarter Nachrichten".

Außerdem habe Schlecker die geplante Schließung unrentabler Filialen behindert. "Wenn wir ihm aus betriebswirtschaftlichen Gründen eine Filiale nehmen wollten, war es so, als würden wir ihm ein Kind wegnehmen", sagte Wieselhuber.

In den kommenden Tagen und Wochen werden Entscheidungen über die Zukunft der rund 4.000 Angestellten von IhrPlatz und deutschlandweit rund 490 Märkte sowie der rechtlich selbstständigen Tochtergesellschaft in Österreich mit 930 Filialen und 3.000 Angestellten erwartet.

dpa

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