Unternehmen & Märkte

STANDORT | 02.12.2009

"Discounter und Fachmärkte werden wachsen"

GfK-Experte Olaf Petersen über Trends im Handel, Herausforderung des regionalen Standortwettbewerbs sowie die Wiederentdeckung der Innenstädte.

GfK-Experte Olaf Petersen (Foto GfK Geomarketing)

"Der Handel entdeckt die Innenstädte wieder", sagt GfK-Experte Petersen.

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Was sind derzeit die wesentlichen Standorttrends im Einzelhandel?
Der Handel entdeckt die Innenstädte wieder. Zwischen 2003 und 2008 sind die innerstädtischen Verkaufsflächen um 7 Prozent angewachsen, und der Umsatz in den Städten konnte im gleichen Zeitraum um 3 Prozent zulegen. Das ist eine Trendumkehr. In den 90er-Jahren fand das Wachstum an nicht integrierten und dezentralen Standorten statt. Eine striktere Anwendung des Bauplanungsrechts, aber auch strategische Überlegungen der Händler und Entwickler, führen seit einigen Jahren zu einer Renaissance der Innenstädte. Insbesondere in den Städten mit Einzugsgebieten von mehr als 250.000 Menschen gibt es noch gute Potenziale.

Wirkt sich die Wirtschaftskrise auf die Standortentwicklung aus?
Aufgrund der Finanzkrise gibt es sicherlich Verzögerungen bei größeren Vorhaben, etwa bei der Ansiedlung von Shoppingcentern. Früher oder später werden die rund 50 aktuell in der Pipeline befindlichen Centerprojekte jedoch auch realisiert werden. Grundsätzlich schlägt sich der Handel im Krisenjahr 2009 besser als von vielen erwartet. Allerdings sind wir aufgrund der zu erwartenden höheren Arbeitslosigkeit für 2010 eher pessimistisch gestimmt. Begünstigt von dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld werden Discountformate und Fachmärkte weiter prosperieren. Aber auch herausgehobene qualitäts- und erlebnisorientierte Konzepte haben die Chance einer Unternehmenskonjunktur. Die unprofilierte Mitte hingegen hat es in der Krise besonders schwer. Prominentestes Beispiel hierfür sind die -Warenhäuser. Obwohl sie ohnehin nur noch einen Marktanteil von 3 Prozent besitzen, stehen sie in weiten Teilen zur Disposition.

Für rund 100 Standorte von Karstadt und Hertie muss eine Nachnutzung gefunden werden. Was bedeutet dies für die betroffenen Städte?
Dies ist sicherlich eines der zentralen Standorthemen in den nächsten Monaten und Jahren in Deutschland. Kleinere Innenstädte, in denen die Kaufhäuser eine Magnetfunktion ausgeübt haben, drohen im Standortwettbewerb zurückzufallen, wenn sich keine attraktive Lösung findet. Etwa, weil die Eigentümerstruktur es nicht zulässt oder die Mietvorstellungen überhöht sind. Die Möglichkeiten sind sehr unterschiedlich und von den Gegebenheiten vor Ort abhängig. Sie reichen vom Flagship-Store über SB-Warenhäuser bis hin zur Aufgabe der Handelsnutzung. In Großstädten wie Dortmund fällt die Lücke, die ein aufgegebenes Kaufhaus reißt, nicht so sehr ins Gewicht. Je kleiner aber die Innenstädte sind, desto höher ist das Risiko, dass die gesamte Handelsstruktur in eine Schieflage gerät.

Können Shoppingcenter diese Lücken füllen?
Auch dies hängt sehr vom konkreten Standort ab. Shoppingcenter bringen eine moderne Handelsinfrastruktur mit sich, das kann vorteilhaft für eine Stadt sein. Center sind aber nicht zwingend der Königsweg zu einem wettbewerbsfähigen Handelsstandort. Eine große Rolle für die Attraktivität einer Stadt spielt die Zusammenarbeit der Beteiligten vor Ort: Stadtmarketing, Stadtverwaltung, Händler und die Immobilieneigentümer müssen - gut vernetzt - an einem Strang ziehen. Es gilt, zu Ziele definieren und daraus entsprechende Maßnahmen ableiten und in Angriff nehmen.

Interview: Hanno Bender

Olaf Petersen ist Mitglied des Management Board der GfK GeoMarketing und verantwortet den Bereich Real Estate Consulting. Seit 1998 ist der Handelsexperte im Bereich der Standort- und Immobilienforschung bei der GfK tätig, zuvor war er Chefvolkswirt des Handelsverbands BAG.

Dieses Interview erschien im Rahmen der Titelgeschichte "Die besten Handelsstandorte Deutschlands" in der Dezember-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Die vollständige Titelgeschichte finden Sie hier.

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