Unternehmen & Märkte

TEXTILHANDEL | 04.10.2012

Streit um Hessnatur eskaliert

Hessnatur wehrt sich juristisch dagegen, mit der Rüstungsindustrie in Zusammenhang gebracht zu werden. Derweil will die Genossenschaft hnGeno eine Konkurrenzfirma gründen.

Foto: Hess Natur

Auch Monate nach der Übernahme durch einen Schweizer Finanzinvestor kommt Hessnatur nicht zur Ruhe.

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Die Genossenschaft HnGeno hatte sich Ende 2011 gegründet, als sich die Übernahme durch Capvis abzeichnete. Damals schlossen sich enttäuschte Kunden und Beschäftigte von Hessnatur unter Führung des Hessnatur-Betriebsratschefs Walter Strasheim-Weitz zusammen, um selbst Hessnatur zu übernehmen. 

Befürchtet wurde ein rein profitorientiertes Vorgehen des Finanzinvestors und ein Verlust der ökologischen Orientierung von Hess Natur. Statt der Genossenschaft kam dann aber Capvis zum Zug. Am 31. Mai 2012 wurde der Kaufvertrag zwischen dem Voreigentümer Primondo Specialty Group und Capvis unterzeichnet.

War bislang eine Übernahme von Hessnatur das Ziel der HnGeno, so wurden jetzt Pläne bekannt, eine Konkurrenzfirma zu gründen.

Hess-Sohn kritisiert "destruktives Verhalten der hnGeno"


Unter den mehr als 2.000 Hessnatur-Sympathisanten, die HnGeno zuletzt Geld für eine Übernahme zur Verfügung gestellt hätten, sei die Bereitschaft zu einem solchen Schritt groß, zitiert die Frankfurter Rundschau Barbara Geisel, die Vorstandsvorsitzende der HnGeno-Treuhänderin Geno Equity. Schon im kommenden Jahr könne das neue Unternehmen, zunächst mit einem Grundsortiment, am Markt auftreten.

Ob es tatsächlich so weit kommt, bleibt abzuwarten. Laut Frankfurter Rundschau wurde der Betriebsratsvorsitzende Strasheim-Weitz in der vergangenen Woche vom Hessnatur-Management aufgefordert, sich von den Boykottaufrufen zu distanzieren und sich "zeitnah" für ein Engagement im Betriebsrat oder bei der HnGeno zu entscheiden.

Unterstützung erhält die Geschäftsleitung von Martin Hess, dem Sohn des Firmengründers Heinz Hess, der in einem Offenen Brief das "destruktive Verhalten der hnGeno" kritisiert. Die Pläne für den Aufbau eines Konkurrenzunternehmens nennt Hess "unmoralisch, unsozial und rechtlich fragwürdig". "Aus anfänglicher Sympathie für hnGeno ist eine große Enttäuschung geworden", heißt es in dem Brief.

"In die Rüstungsindustrie verstrickt"


Derweil eskaliert der Streit zwischen Hessnatur und der Konsumenteninitiative wir-sind-die-konsumenten.de. "Die Zahlungen der Kunden gehen in Rüstungsindustrie" oder "Die Anteilseignerin Capvis der Hess Natur-Textilien GmbH ist in die Rüstungsindustrie verstrickt". Solche Aussagen könnten für die Betreiber des Internetforums künftig teuer werden. Der Butzbacher Naturtextilienanbieter hat eine einstweilige Verfügung dagegen erwirkt.

Die kritische Internetseite wurde von den Berlinern Johannes Mosmann und Andreas Schurack Ende 2011 gegründet, als sich die Übernahme von Hessnatur durch die Schweizer Beteiligungsgesellschaft abzeichnete.

Mosmann und Schurack unterstützten auch die Übernahmepläne der hnGeno. So wurden Besucher der Website aufgefordert anzugeben, welche Produkte sie in Zukunft kaufen würden, falls die hnGeno den Zuschlag für Hessnatur bekäme.

Schadenersatzklage angedroht


Es kam dann anders. Unter dem Motto "Kunden stoppen Spekulation" können enttäuschte Kunden aber weiter ihrem Unmut über die Übernahme durch Capvis Ausdruck verleihen. Als bekannt wurde, dass sich unter den Investoren eines Capvis-Fonds eine US-Gesellschaft befindet, die wiederum am Rüstungsproduzenten Avio beteiligt sein soll, schlug das im Forum hohe Wellen.

Aussagen wie die oben zitierten will Hessnatur nun nicht länger hinnehmen. "Unsere Kunden sollen nicht durch Falschbehauptungen in die Irre geführt werden", wird eine Hess-Natur-Sprecherin in der Berliner taz zitiert. Neben der Verbreitung falscher Tatsachen wirft das Unternehmen den Aktivisten auch Aufruf zum Boykott vor - und droht mit einer Schadenersatzklage.

Die Betreiber der Internetseite haben ihrerseits Widerstand angekündigt und wollen Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung erheben.

DH

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