Unternehmen & Märkte

VERDACHT AUF PREISABSPRACHEN | 14.01.2010

Auch Rewe bestätigt Besuch vom Kartellamt

Edeka, Metro, Rewe und viele mehr: Von den 11 vom Kartellamt besuchten Handelsbetrieben sind nun einige namentlich bekannt. Die Behörde setzt auf Kooperation - für milde Strafen.

Rewe-Markt: Foto: Rewe

Rewe-Markt: "Wir verhalten uns kooperativ"

+

"Wir haben den Ermittlern sämtliche gewünschte Unterlagen zur Verfügung gestellt und verhalten uns kooperativ", sagte Martin Brünig, Sprecher der Rewe Group zu derhandel.de. Weiter wollte er die Ermittlungen des Bundeskartellamts nicht kommentieren.

Auch schriftliche Verfahren


Wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt an diesem Donnerstag Geschäftsräume fast aller großen Handelsketten in Deutschland durchsucht. Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, des Drogeriewaren- und des Tierbedarfshandels sowie Hersteller von Markenartikeln im Konsumgütersegment erhielten Besuch von Beamten der Behörde.

Die Durchsuchungsaktionen erstreckten sich nach Angaben des Bundeskartellamts auf 15 Unternehmen, davon elf Handelsunternehmen. An der Aktion waren 56 Mitarbeiter des Bundeskartellamts und 62 Polizeibeamte beteiligt. Parallel wurden gegen weitere Handelsunternehmen schriftlich Verfahren eingeleitet.

"Wir sind gelassen"


Betroffen waren neben Rewe auch Edeka, Lidl, die gleichfalls zur Schwarz-Gruppe gehörende Kette Kaufland, Metro sowie die Drogeriekette Rossmann. Es bestehe der Verdacht, dass sich Markenartikelhersteller mit Einzelhandelsunternehmen bei den Produkten Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung über die Endverbraucherpreise abgestimmt hätten. Dies habe offenbar vor allem Preisuntergrenzen betroffen.

Edeka-Sprecherin Marliese Kalthoff sagte: "Wir arbeiten in vollem Umfang mit dem Kartellamt zusammen." Auch Deutschlands größter Handelsbetrieb Metro Group sagte den Wettbewerbshütern ihre Kooperationsbereitschaft zu. Lidl sowie der Kaufland bestätigten die Durchsuchung. Ein Sprecher des Tierbedarfhändlers Fressnapf bestätigte im Gespräch mit "Welt online" ebenfalls, dass das Unternehmen Besuch von Ermittlern bekommen habe. Stephan Klose, Sprecher von Rossman, versicherte: "Wir sind sehr gelassen."

Verbrauchervertrauen erschüttert


Preisabsprachen sind kartellrechtlich verboten und können mit Geldstrafen geahndet werden. Das Bundeskartellamt teilte mit, es werde bei Bußgeldern berücksichtigen, inwieweit Unternehmen oder Personen bei der Aufklärung mit der Behörde kooperiert hätten. Ermittelt wird offenbar wegen des Verdachts so genannter "vertikaler Presiabsprachen". Handelsunternehmen und Konsumgüterhersteller könnten sich abgesprochen haben, bestimmte Preisuntergrenzen bei Markenartikel nicht zu unterschreiten, so der Verdacht. 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte, "abgezockte Verbraucher" zu entschädigen. "Bewahrheitet sich der Verdacht des Bundeskartellamtes, erschüttert dies das Zutrauen der Verbraucher in die soziale Marktwirtschaft", sagte vzbv-Vorstand Gerd Billen.

Verbraucherministerin Aigner: "Kunde darf nicht die Zeche zahlen"


Die Bundesregierung müsse die Zügel anziehen und dem Milliarden-Betrug am Verbraucher ein Ende setzen, forderte Billen. Die Bundesregierung müsse ihre Blockadehaltung gegen eine EU-Richtlinie zur Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen bei Kartellverstößen aufgeben und national sicherstellen, dass betrogene Verbraucher entschädigt werden. "Bußgelder in Millionenhöhe klingen erst einmal viel, wenn allerdings Milliarden zu Unrecht erwirtschaftet wurden, sind dies Peanuts ohne Abschreckungseffekt", betonte Billen.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass etwaige Kartellstrafen in den Verbraucherschutz fließen könnten. "Es darf nicht sein, dass am Ende der Kunde die Zeche zahlt für solche Machenschaften", warnte die CSU-Politikerin.

Das Bundeskartellamt hatte erst im Dezember 2009 gegen die drei großen Kaffeeröster Tchibo, Melitta und Dallmayr sowie sechs Mitarbeiter wegen wettbewerbswidriger Preisabsprachen Geldbußen von rund 160 Millionen Euro verhängt. Der Nahrungsmittelhersteller Kraft Foods gab damals dem Bundeskartellamt als so genannter Kronzeuge die entscheidenden Hinweise, die zur Aufdeckung des Kaffeeröster-Kartells führten.

Einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt es jedoch nicht, erklärt Kay Weidner, Sprecher des Bundeskartellamts, gegenüber derhandel.de. "Nicht isolierte Erkenntnisse aus dem Kaffee-Verfahren begründeten die gestrige Aktion, sondern eine Gesamtschau von Erkenntnissen aus einer Vielzahl von Verfahren der jüngeren Vergangenheit zu Drogerieartikeln, Süßwaren, Kaffee und den Hochzeits-Rabatten bei Edeka", so der Sprecher. "Der Anfangsverdacht für die gestrigen Durchsuchungen geht nicht auf die Aussage eines Kronzeugen zurück."

dpa / ges / hb

Anzeige

 


Diesen Artikel verlinken:
Twitter Facebook
LinkedIn

Impressum | Datenschutz | Kontakt

Copyright: Deutscher Fachverlag GmbH; Anregungen & Kommentare an info@derhandel.de
Credits: Konzept & Layout SamArt Gbr
Credits: Konzept, Projektmanagement, Programmierung und technische Realisation dfv Internet-Service

Twitter

Anzeige

 

Anzeige

 

Printausgabe

Der Handel 11/2014

Die neue Ausgabe vom Wirtschaftsmagazin
Der Handel ist erschienen!

zum Inhalt »
Infos zum Abo »

 

RETAIL ROADSHOW 2015

Retail Roadshow

Erleben Sie die Local Heroes des
New Yorker Handels gemeinsam mit uns
vom 22-26. März 2015.
Infos und Anmeldung »

 

Weiterbilden. Netzwerken. Horizont Erweitern




Management-Kurse mit Hochschulzertifikat - praxisnah, auf wissenschaftlichem Qualitätsniveau

Zum Kursangebot »



Das Premium-Seminar zu aktuellen Themen der Branche - mit Hochschulzertifikat

Mehr Informationen »

 

Zahl des Monats