Finanzen & Karriere

VERSANDHANDEL | 23.07.2012

Entlassungen bei Baby Walz: "Gebaren einer Heuschrecke"

Beim Versender Baby Walz sollen rund zwanzig Prozent der Stellen gestrichen werden. Die Eigentümer begründen dies mit Marktanpassungen, Verdi hat einen anderen Verdacht.

Zentrale von Baby Walz in Bad Waldsee; Stellenabbau angekündigt.

Zentrale von Baby Walz in Bad Waldsee; Stellenabbau angekündigt.

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Der Überlebenskampf des einstiegen Versandhandelsriesen Neckermann ist ein bundesweites Thema. Hierbei geht fast unter, dass auch ein kleinerer Traditionsbetrieb der Versandbranche im Schwäbischen von Turbulenzen erschüttert wird.

Die Unternehmensführung des Versenders Baby Walz in Bad Waldsee will im großen Stil Stellen abbauen. War erst die Rede davon, dass von den rund 1.300 Vollzeitstellen 200 wegfallen sollten, wird nun die Zahl 280 gehandelt.

Den Arbeitsplatzabbau hatte das Unternehmen Anfang Juli damit begründet, es wolle "noch kundenorientierter und effizienter" werden. Dafür sei eine tiefgreifende Unternehmensorganisation notwendig. "Bei etwa der Hälfte der betroffenen Stellen soll dies über das Auslaufen von befristeten Arbeitsverträgen vollzogen werden", teilte Baby Walz weiter mit.

"Wir werden weiter investieren"


Trotz der Streichung von einem Gutteil der Arbeitsplätze hatte Walz-Geschäftsführer Werner Fritsch versichert, dass sich an der Wachstumsstrategie des Unternehmens nichts geändert habe. "Wir werden weiter investieren", betonte Fritsch. "Das gilt nicht nur für Bereiche wie unsere Online-Auftritte und das Marketing insgesamt, sondern auch für den Ausbau des Filialnetzes."

Seitdem steht die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat in Gesprächen - und das Unternehmen hat es eilig. "Wir müssen im Interesse des Unternehmens und der Mitarbeiter zügig zu einer Einigung kommen", forderte Rainer Stäbler, ebenfalls Geschäftsführer der Walz GmbH.Walz müsse auf die wachsende Bedeutung von Online-Angeboten reagieren.

Der Betriebsrat habe zugestimmt, dass ein neutraler Dritter die Verhandlungen begleitet. Es  gehe darum, das Unternehmen den rasanten Veränderungen der Versandhandelsbranche anzupassen.

Von Arcandor zur Carlyle


Der Gewerkschafter Rainer Dacke von der Verdi-Geschäftsstelle Ostwürttemberg-Ulm hat freilich einen anderen Verdacht für die Entlassungen. Im Fernsehsender Regio.TV sprach er davon, "dass ein amerikanischer Investor den Hals nicht voll genug kriegen kann, was die Gewinnerwartungen betrifft", wetterte Dacke .

Baby Walz gehörte einst zum Arcandor-Konzern, nach dessen Zusammenbruch hatte im Januar 2011 der us-amerikanische Investor Carlyle-Group das schwäbische Unternehmen übernommen.

Schon damals habe Carlyle gesagt, Walz wieder verkaufen zu wollen, erinnerte Dacke. Durch die Entlassungen wolle man nun die Gewinne in die Höhe treiben, um Walz für den Verkauf schön zu machen. Das sei das "Gebaren einer Heuschrecke", schimpfte der Verdi-Mann.

Aus einer Firma sollen zwei werden


Im Gespräch mit der "Schwäbischen Zeitung" zeigte sich Dacke "schockiert", dass das Unternehmen in zwei Bereiche aufgeteilt werden solle: in die Sparten "Baby & Kids" sowie "Living & Home". "Daraus könnten als Fernziel zwei Firmen hervorgehen."

In einem offenen Brief kämpfen die Mitarbeiter nun gegen den Stellenabbau. Die Belegschaft schreibt mittlerweile gar von 280 betroffenen Vollzeitstellen am Standort Bad Waldsee.

"Sicher haben wir Verständnis dafür, dass Anpassungen an eine sich schnell verändernde Marktsituation unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nötig werden können und auch umgesetzt werden müssen", heißt es in dem Brief.
 
"Die Situation, die wir in den letzten sechs Wochen intensiv verfolgt haben, lässt aber die große Befürchtung zu, dass es nicht nur um notwendige, marktbedingte Umstrukturierungen geht, sondern vielmehr um reine Kosteneinsparungen, um die Situation für den Finanzinvestor [...] positiver zu gestalten", zitiert die Onlineausgabe der "Schwäbischen Zeitung" an diesem Montag aus dem Brief.

Zu gieriger Investor?


Weiter heißt es in dem Papier: "Die Befürchtung, dass es hier vielmehr um reine Kosteneinsparungen geht, wird um so deutlicher, wenn man von Verlagerungen eines großen Teils der Logistik (Baby Walz) ins osteuropäische Ausland hört, was nun als absolut unvermeidlich dargestellt wird."

Weiter fragen die Mitarbeiter, ob es wirklich so schlecht um das operative Ergebnis der Versandhaus Walz GmbH bestellt sei, oder die Entlassungen nicht eher die Folge seien einer erdrückenden Finanzierungslast, "die auf viel zu hohen Planungen beim Kauf durch den Finanzinvestor basiert".

ges

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