Unternehmen & Märkte

VERSANDHANDEL | 18.06.2009

Otto steigert Umsatz und Ergebnis

Der Hamburger Versand- und Dienstleistungskonzern Otto schaut auf ein durchwachsenes Geschäftsjahr zurück. E-Commerce boomt, doch das klassiche Kataloggeschäft wird zum Sorgenkind.  

Foto: Otto Group

Otto-Chef Hans-Otto Schrader: "Mit dem Erreichtem zufrieden".

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Die Otto Group konnte ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2008/09 (Stichtag: 28. Februar) auf 10.1 Millionen Euro steigern. Sie lag damit trotz der Auswirkungen der Wirtschaftskrise um 0,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres.

„Angesichts der Wirtschaftkrise sind wir mit dem Erreichten zufrieden“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Otto Group, Hans-Otto Schrader. „Dass es uns vor diesem schwierigen Hintergrund gelungen ist, an den Umsatz des Vorjahres anzuschließen, ist keine Selbstverständlichkeit.“

Währungsbereinigt knapp zwei Prozent Umsatzzuwachs


Aufgrund des weiterhin starken Euro spiegeln die Umsatzzahlen die operative Entwicklung jedoch nur bedingt wider. Laut Schrader habe die Otto Group währungskursbereinigt ein Umsatzplus von 1,9 Prozent erzielt.

Der Jahresüberschuss (EAT) konnte von 277 Millionen Euro um 15,9 Prozent auf 321 Millionen Euro gesteigert werden. Die  Ergebnisebenen vom EBITDA bis hin zum EBT seien durch Sondereffekte erheblich verzerrt. Positive Effekte ergaben sich aus den Veräußerungen der Anteile an Fegro/Selgros und dem Club des Créateurs de Beauté.

Kein Interesse an Quelle


Diese Zusatzerträge will die Otto Group weitgehend zur bilanziellen Vorsorge für laufende und angekündigte Restrukturierungsmaßnahmen nutzen, so dass sie nicht im Jahresüberschuss wirksam geworden sind, aber zu erheblichen Ergebnis-Belastungen im Bereich der Rückstellungen und Sonder-Abschreibungen geführt haben.

Spekulationen, die Otto Group könnte an einer Übernahme des insolventen Konkurrenten Quelle interessiert sein, entzog Schrader den Boden: "Wir glauben nicht, dass die Sanierung von Quelle erfolgreich möglich ist", sagte der Otto-Chef. Für den Umbau eines Versandhandelsunternehmens seien drei bis fünf Jahre erforderlich. "Diese Zeit hat Quelle nicht", urteilte Schrader. An anderen Unternehmensteilen des Arcandor-Konzerns sei man dagegen interessiert, bekräftigte Schrader ohne dies zu konkretisieren.

E-Commerce erneut Wachstumstreiber


Als treibende Kraft erwies sich erneut der E-Commerce-Bereich mit einem Umsatzzuwachs um 12,5 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Damit konnte die Otto Group ihre Position als weltweit zweitgrößter Online-Anbieter im Geschäft mit dem Endverbraucher (B2C) bestätigen.

In Deutschland gelang es der Unternehmensgruppe, die Online-Nachfrage um 13,7 Prozent auf 4 Milliarden Euro auszubauen. Damit bleibt die Otto Group auch in Deutschland der größte Online-Anbieter im B2C-Bereich. Dagegen verzeichneten die zum Konzern gehörenden Versandsparten Schwab und Baur Umsatzeinbußen.

Die Aktivitäten der zahlreichen Einzelgesllschaften zeigt "eine uneinheitliche Tendenz", heißt es im Geschäftsbericht. "Vor dem Hintergrund der wachsenden Wettbewerbsintensität mussten im klassischen Kataloggeschäft Umsatzabschmelzungen hingenommen werden. Im Online-Bereich konnten dagegen deutliche Steigerungen verzeichnet werden." Wachstumsimpulse kamen
ebenfalls von den Spezialkatalogen, deren Einsatz weiter ausgebaut wurde, so der Bericht.

Inlandsumsätzte steigen, Auslandsgeschäft schrumpft


Während sich der Umsatz im deutschen Markt mit einem Wachstum von 2,3 Prozent sehr positiv entwickelte und bei 5,42 Millionen Euro schloss, ging der Umsatz der Otto Group im Ausland um 1,5 Prozent auf 4.69 Millionen Euro zurück.

In Europa außerhalb Deutschlands erzielte die Otto Group einen Umsatzzuwachs von 1,9 Prozent, wechselkursbedingt ging der Umsatz allerdings um 1,4 Prozent auf 3,42 Millionen Euro zurück. In Nordamerika ging der Umsatz um 3,6 Prozent zurück auf 1 Millionen Euro, wechselkursbereinigt belief sich der Rückgang hingegen lediglich auf 0,5 Prozent. In Asien war die Entwicklung der Gruppe mit einer Umsatzsteigerung um 6,7 Prozent auf 264 Millionen Euro erfreulich.

Guter Start ins neue Geschäftsjahr, aber keine Prognose


Auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 (März bis Mai) konnte eine leichte Umsatzsteigerung erzielt werden. "Wir werden uns auch im laufenden Geschäftsjahr trotz der Wirtschaftskrise erfolgreich behaupten und erheblich in E-Commerce, Stationärgeschäfte und Services investieren", betonte Vorstandsvorsitzender Schrader.

"Aufgrund des sehr unklaren gesamtwirtschaftlichen Umfelds wäre eine Prognose für Umsatz und Ertrag der Otto Group im laufenden Geschäftsjahr allerdings nicht seriös", fügte er hinzu.

Drei Schwerpunkte: E-Commerce, Stationärgeschäft und Services


Die Otto Group will sich nach eigenen Aussagen auf drei Wachstumsschwerpunkte konzentrieren: So sollen "zukunftweisende Online-Konzepte" wie der im Januar 2009 von der Otto Group übernommene Shopping-Club Limango weiter ausgebaut werden.

Der Online-Shop otto.de soll zur "One-Stop-Shopping-Plattform" ausgebaut werden: "Ausgewählte Markenpartner und zukünftig erstmals auch konzernfremde Händler bieten ihre Ware über Markenshops in der 1A-Online-Lage an, die Otto mit otto.de im Internet etabliert hat", so der Konzern.

Expansion von internationalisierbaren Ladenkonzepten


Als zweites Wachstumsfeld hat die Otto Group den stationäre Einzelhandel definiert. Hier wollen  die Hamburger in Konzepte investieren, die online-fähig und internationalisierbar sind.

Zur Otto Group gehörten Ende des Berichtsjahres bereits 341 Stationärgeschäfte, 45 mehr als noch ein Jahr zuvor. Spitzenreiter mit 83 Geschäften ist der US-amerikanische Einrichtungs- und Lifestyle-Anbieter Crate and Barrel, der im Berichtsjahr seine Internationalisierung gestartet und einen ersten Store in Toronto, Kanada, eröffnet hat.

Serviceleistungen für Handel und E-Commerce


Der dritte Investitionsschwerpunkt der Otto Group ist das Segment Service. Die Otto Group will sich zukünftig verstärkt als internationaler Dienstleister für Handel und E-Commerce etablieren. Sie bietet Geschäftskunden auch außerhalb des  Konzerns sämtliche Dienstleistungen rund um den Handel an.

Diese „Integrated Business Services" erstrecken sich von Einkauf und Lagerverwaltung über Kundenbetreuung und Bonitätsprüfung bis hin zu Transport und Zustellung. Aus der früheren Einkaufsorganisation der Otto Group ist im März 2008 das eigenständige Unternehmen Otto International mit 1.400 Beschäftigen an 35 Standorten hervorgegangen.

Geschäftskunden außer- wie innerhalb des Konzerns können bei Otto International ganze Geschäftskonzepte oder bei Bedarf auch nur Teile davon kaufen, vom Design und Sourcing über die Qualitätskontrolle, den Import und die Lagerung der Ware bis hin zu geeigneten Verkaufskonzepten.

Die europaweiten Aktivitäten der Import-, Lager- und Distributionslogistik der Otto Group sollen zukünftig unter der Marke Hermes gebündelt werden. Zum 1. Juli 2009 wird hierfür die Dachgesellschaft Hermes Europe gegründet.

hb

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