Unternehmen & Märkte

INTERNATIONALE FAIRTRADE CONFERENCE | 11.09.2009

Von Finnland lernen

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema dieser Zeit. Doch fairer Handel hat seinen Preis, das spürt der Verbraucher im Laden. Es gibt aber Länder, wo das kaum eine Rolle spielt.

Foto: Santiago Engelhardt

Internationaler Transfair-Chef Cameron: Fairtrade gegen den Klimawandel

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Wer heute im Supermarkt überlegt, ob er einen Kaffee aus fair angebauten und gehandelten Bohnen kauft, der sieht einerseits den etwas teueren Preis. Was er nicht sieht ist, was diese wenigen Cent mehr im Vergleich zu einem herkömmlichen Kaffee ausmachen können: Ein besseres Leben für die Menschen in den Anbauländern. "Fairtrade hat große Auswirkungen auf unsere gesamte Ökonomie", betont Santiago Paz Lopez, Vorstandsmitglied einer Kaffeekooperative in Peru.

Aufwertung der Bauern


In dem südamerikanischen Land (rund 28 Millionen Einwohner) besitzen mittlerweile 32 dieser Zusammenschlüsse das Fairtrade-Siegel. 36.000 Menschen profitieren von besseren Arbeits- und Lebensbedingungen.

Dieses bessere Leben haben mittlerweile nicht nur Fairtrade-Kaffeebauern. "Die Zucker-Bauern sind ebenfalls enorm aufgewertet worden", sagt Santiago Paz Lopez. Früher wurden ihnen für 50 Kilogramm Rohzucker 4,48 Dollar (3,06 Euro) gezahlt. Heute sind es 26,12 Dollar (17,90 Euro).

Diese guten Erlöse hätten dafür gesorgt, dass der Alkoholmissbrauch im peruanischen Hochland stark zurückgegangen ist, berichtet Santiago Paz Lopez. Denn weil früher vom Zuckerverkauf kaum ein Bauer leben konnte, wurde dieser kurzerhand zum Brennen von Alkohol verwendet. "Fairtrade ist gut gegen Korruption und für Demokratie", betont Santiago Paz Lopez.

Der Verbraucher will Fairtrade und Bio


Gegen solche Ziele hatte niemand etwas auf der Internationalen Fairtrade Conference (IFC) am Donnerstag in Berlin einzuwenden. Eingeladen hatten der Verein Transfair und das Wirtschaftsmagazin Der Handel. "Die Verbindung Fairtrade und Bio läuft gut", bestätigt Lutz Gittler, Verkaufsleiter beim Kaffeeröster Darboven. Der Verbraucher fordert von Handel und Produzenten immer stärker Bekenntnisse für Nachhaltigkeit und ökologischer Herstellung. Trotz Wirtschaftskrise.

Daniela Büchel ist überzeugt, dass Nachhaltigkeit und Ökonomie keine Widersprüche sind: In den Zielvereinbarungen der Rewe-Führungskräfte werden neuerdings Passagen zu Nachhaltigkeit aufgenommen. Aber die Marketing-Chefin des Lebensmittelhändler betont auch immer wieder einen Aspekt: "Der Kunde muss einen Preis bekommen, den er sich leisten kann."

Das Beispiel Orangensaft


Doch fairer Handel und Discountpreise werden nur schwer zusammenfinden. Derzeit kostet auf dem Weltmarkt eine Tonne Orangensaftkonzentrat 850 US-Dollar (umgerechnet 582 Euro).

Damit jedoch ein Orangenbauer von seiner Ernte leben kann, braucht er für die gleiche Menge 1.300 Dollar (890 Euro), rechnet Hans Lanzinger vom Saftproduzenten Pfanner vor. Die Bedingungen von Fairtrade gewährleisten einem Bauern sogar 2.350 Dollar (1.610 Euro) pro Tonne Konzentrat.

Fair gegen den Klimawandel


Diese hohen Beschaffungspreise schlagen sich zwangsläufig im Supermarkt-Regal nieder - und konkurrieren mit den aktuell abermals reduzierten Preisen vieler Lebensmittelhändler.

Und ob der Kunde dann daran denkt, dass faire, ökologische Arbeits- und Produktionsbedingungen in den Drittweltländern auch den Klimawandel bekämpfen helfen, wie es der internationale Transfair-Geschäftsführer Rob Cameron beschwört, ist fraglich. "In den kommenden Jahren werden 300.000 Menschen infolge des Klimawandels sterben, neunzig Prozent davon in Drittweltländern", mahnt Cameron und meint damit unter anderem Verursacher wie Stürme und Überschwemmungen.

Finnen sind weiter


In Finnland beschäftigen sich die Konsumenten mit dem Thema Fairtrade viel intensiver als die Deutschen. In einer Studie aus dem Jahr 2008 des finnischen Lebensmittelhändlers Kesko bestätigten 70 Prozent der Befragten, dass das Fairtrade-Siegel vertrauenswürdig ist.

Für die Verbraucher Finnlands ist der wichtigste Grund, sich für fair gehandelte Produkte zu entscheiden, weil sie damit die Bauern in der dritten Welt unterstützen. Kesko hatte im vorigen Jahr insgesamt 126 Fairtrade-Produkte im Angebot, berichtete die Einkaufschefin Tarja Jukkara. Das ist eine Verdopplung zum Jahr 2007.

Steffen Gerth

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