Unternehmen & Märkte

WARENHÄUSER | 01.04.2014

Kaufhof kennt keine Warenhauskrise

Galeria Kaufhof feiert in diesem Jahr das 135-jährige Bestehen. Von einer Krise der Warenhäuser will Vorstandschef Lovro Mandac nichts wissen, er rüstet stattdessen für die Multichannel-Zukunft.

Foto: Galeria Kaufhof

Galeria Kaufhof blickt im Jubiläumsjahr optimistisch in die Zukunft.

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135 Jahre alt und kein bisschen Krise: Am 14. August 1879 eröffnete Leonhard Tietz in Stralsund ein 25 Quadratmeter großes "Garn-, Knopf-, Posamentrie- und Woll-Waaren Geschäft" und legte damit den Grundstein für ein Kaufhausimperium. 1913, ein Jahr vor dem Tod des Gründers, gehörten 17 Standorte mit 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 5.500 Mitarbeitern zum Unternehmen aus dem die heutige Metro-Tochter Galeria Kaufhof GmbH hervorging.     
 
"Das Unternehmen steht mit seiner 135-jährigen Geschichte für Kontinuität und Veränderung - bis hin zur völligen Zerstörung in den beiden Weltkriegen. Doch die Veränderungen stellen sich heute viel größer dar, als sie es in der Vergangenheit waren", resümierte Lovro Mandac, seit 20 Jahren Vorstandsvorsitzender im Kölner Kaufhauskonzern, am Dienstag vor Journalisten in Köln.

Exorbitante Investitionen in Multichannel-Handel


Der Einzelhandel in Deutschland bewege sich heute in einem gesättigten Markt, sei mit anspruchsvollen Kunden konfrontiert und müsse sich der Konkurrenz aus dem Internet stellen. "Unsere Investitionen in Multichannel sind exorbitant. Wir wollen im Jahr 2017 300 Millionen Euro im Onlinehandel umsetzen", kündigte Mandac an, ohne die Investitionen konkret zu beziffern.

In diesem Jahr soll Kaufhof 70 Millionen Euro im Onlineshop umsetzen. 2013 wies das Unternehmen 50 Millionen Euro Internetumsatz aus - das ist eine Steigerung von 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2017 will Kaufhof zudem schwarze Zahlen mit dem Webshop schreiben.

"Multichannel", das heißt für Mandac: "Alles was Sie sich vorstellen können, werden die Kunden bei uns auch tun können. In der Filiale bestellen, nach Hause liefern, zu Hause bestellen in die Filiale liefern und dort bezahlen oder zurückgeben und so weiter". Kaufhof sei im Onlinehandel autark und habe eigene Lager in Porz und Frechen bei Köln sowie in Erfurt für den Versandhandel aufgebaut. "Die Logistik ist im Handel eine Kernkompetenz, die man nicht aus der Hand geben darf", begründete Mandac diese Entscheidung. Ein im März neu geschaffenes Geschäftsressort "Multichannel-Handel" soll die Verzahnung von Filial- und Onlinegeschäft vorantreiben. Es wird von Klaus Hellmich geleitet, der Kaufhof zuvor in diesem Themenbereich bereits beraten hat.

Tablet-PC in den Warenhäusern zur Verkaufsunterstützung


Um den Multichannel-Handel auf die Fläche zu bringen, wird es ab Juli Tablet-PC für die Kunden und das Verkaufspersonal geben, die exklusiv gemeinsam mit Hewlett Packard entwickelt wurden. Auf den mobilen Geräten kann Ware, die vor Ort nicht verfügbar oder vorrätig ist, bestellt werden - zur kostenfreien Lieferung in die Filiale oder zur Lieferung nach Hause zu den im Onlineshop üblichen Konditionen.

Foto: Galeria Kaufhof / Kai Funck

Lovro Mandac präsentiert die HP-Tablets zur Verkaufsunterstützung.

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"Wir haben die Daten über die Warenverfügbarkeit in Echtzeit auf den Geräten und binden auch die Warenwirtschaft der Concession-Partner sukzessive mit ein", erläuterte Marketingchef Volker Schlinge. "Mit den mobilen Tablets verlängern wir unsere Ladentheke und schaffen einen echten Mehrwert für die Kunden. Gerade in kleineren Häusern, in denen wir die gesamte Sortimentsbreite nicht darstellen können."

Zunächst werden 1.100 dieser Geräte in "annähernd allen Kaufhof-Filialen" zur Verfügung stehen. Wenn die Testphase erfolgreich verläuft, sollen alle Verkäufer in den Warenhäusern mit solchen Tablets ausgestattet werden. An einem durchschnittlichen Verkaufstag sind bei Kaufhof bundesweit rund 10.000 bis 12.000 Verkäufer im Einsatz. 

Ein vergleichbares Konzept mit mobilen Touchpads startete auch der Outdoor-Spezialist McTrek in diesem Monat. In Einkaufszentren in Neu-Isenburg und Berlin eröffnete das Unternehmen so genannte "Sm@rtshops" und präsentiert dort auf kleiner Fläche ein Kernsortiment. Die Kunden haben per Tablet die Möglichkeit, auf das gesamte lieferbare Sortiment zurückzugreifen. Auch bei Breuninger im Düsseldorfer Kö-Bogen, SportScheck, Runners Points und anderen Handelshäusern halten die Tablet-PC Einzug, um den Onlineshop ins Geschäft zu holen und das Ladenregal virtuell zu verlängern.

Neueröffnungen in Belgien und Luxemburg geplant


Galeria Kaufhof betreibt in Deutschland aktuell 105 Warenhäuser und 17 Sporthäuser. "Wir haben mit 11 Weltstadthäusern, 65 Galeria Filialen und 29 Cityhäusern Strukturen geschaffen, ohne sie in GmbHs auszugliedern", sagte Mandac mit einem Seitenhieb auf Konkurrent Karstadt. In Belgien betreibt das Unternehmen 15 Standorte und eröffnet in diesem Herbst in Hasselt einen neuen Standort. In Luxemburg soll spätestens 2017 ein neues Haus von Galeria Inno eröffnen.

Der Umsatz von Kaufhof belief sich im Geschäftsjahr 2012/13 auf 3,1 Milliarden Euro. Die aktuellen Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr werden am 8. Mai auf der Metro-Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben. Einen kleinen Einblick gewährte Mandac dennoch: "Das Haus in München ist auf dem Weg, das umsatzstärkste Warenhaus in Deutschland zu werden sowie das produktivste in ganz Europa hinter der Galerie Lafayette".

Das Pariser Kaufhaus erlöst jährlich rund 1,4 Milliarden Euro auf 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Trotz kontinuierlich sinkender Umsätze und umsichtiger Filialschließungen erwirtschaften die Kölner zur Freude der Düsseldorfer Metro-Zentrale seit Jahren eine EBIT im dreistelligen Millionenbereich.

Hanno Bender, Köln

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