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TEXTILHANDEL | 16.01.2013

Wetterkapriolen bringen Modehändler ins Schwitzen

Der warme Winter hat für lange Gesichter im Modehandel gesorgt. Trotz früher Rabatte liegt noch Winterbekleidung im Regal. Vielleicht kommt der Winterschlussverkauf mit den einsetzenden Schneeflocken doch noch in Schwung.

Foto: Hanno Bender

Der Rotstift kreist fast überall.

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Der Winter hält erst jetzt zum Winterschlussverkauf (WSV) richtig Einzug in Deutschland. Schneeflocken und Dauerfrost hatte sich der Modehandel allerdings schon zu Weihnachten gewünscht. Mit 18,9 Grad in Freiburg und knapp 21 Grad in München war es Heiligabend aber so warm in Deutschland wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Bereits seit Wochen versuchen die Händler deshalb, mit Rabatten die Nachfrage nach dicken Wintermänteln und wärmenden Fellstiefeln anzukurbeln. Die Preise kamen bereits vor dem Fest ins Rutschen. Mit dem traditionellen Winterschlussverkauf ab Montag bläst die Branche nun zum Finale mit noch höheren Rabatten.

"Wetterabhängig wie keine andere Branche"


"Wir sind so wetterabhängig wie keine andere Branche", schildert Werner Haizmann, Präsident des Deutschen Sportfachhandels, die Lage. Auch die Bundesverbände des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) verweisen auf den warmen Winter, der das Geschäft vor allem im Oktober und November hemmte.

"Der lang ersehnte Wintereinbruch eröffnet endlich die Chance, aus den Lagerbeständen Umsatz zu machen", sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH).

Die Umsatzdelle aus der Vorweihnachtszeit sei im Weihnachtsgeschäft und den ersten Januarwochen nicht ausgeglichen worden, erklärt der BTE. "Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt", macht BTE-Sprecher Axel Augustin klar. Die Kältewelle könne dafür sorgen, dass nicht nur die Schnäppchenjäger im WSV zugreifen, sondern auch viele Kunden einen aktuellen Bedarf an warmer Bekleidung sehen könnten. Boris Hedde erwartet bei Wintermode auch die größten Preisnachlässe - weil die Ware raus muss.

Erstmals seit 2008 verbuchte der deutsche Textileinzelhandel im gerade abgelaufenen Jahr einen Umsatzrückgang - wie die "Textilwirtschaft" berichtete. Die Branchenerlöse sind nach einer Umfrage der Fachzeitschrift 2012 um zwei Prozent geschrumpft. Der BTE geht von einem kleinen einstelligen Umsatzminus für 2012 aus, um eine Katastrophe handele es sich nicht. Beim Abschneiden der einzelnen Unternehmen sei die Bandbreite groß: Es gebe Händler die 2012 gewachsen seien oder vorsichtiger Ware geordert hätten.

Preisreduzierungen, die die deutsche Modebranche fast nur noch mit dem englischen "Sale" anpreist, ziehen sich bei einigen Anbietern durch das ganze Jahr. "Verbraucher müssen für Schnäppchen nicht mehr auf den Schlussverkauf warten, sondern nutzen zunehmend auch Angebote im Netz", sagt Hedde. Wichtig seien die großen Rabattaktionen aber gerade auch für kleinere Händler mit geringerem Warenumschlag.

Der Rotstrift kreist fast überall


Seit dem Fall des Rabattgesetzes 2001 können Händler auch außerhalb der Schlussverkäufe Rabatte gewähren. Und weil die Mode immer schneller wechselt, eine Kollektion der nächsten folgt, finden Verbraucher häufig Ständer mit reduzierter Ware. Zudem will kein Händler den richtigen Zeitpunkt verpassen. 2012 schwappte die erste Rabattwelle Anfang Dezember durch die Großstädte, die zweite kam dann um Weihnachten herum, wie Branchenkenner berichten.

Der Rotstift kreist derzeit fast überall. Karstadt wirbt bereits jetzt schon auf seiner Webseite mit Rabatten von bis zu 70 Prozent quer durchs Sortiment. Bettwäsche, Digitalkameras, Sportbekleidung gibt es zum Schnäppchenpreis. Auch die schwedische Textilkette Hennes & Mauritz hatte bereits im Dezember die Preise kräftig gesenkt. Bei der Douglas-Tochter AppelrathCüpper bewegen sich die Preisnachlässe zwischen 40 und 50 Prozent. Am Ende des Schlussverkaufs seien bis zu 70 Prozent drin, wie es bei anderen Händlern ebenfalls üblich ist.

Der Schlussverkauf habe allerdings nicht mehr die Bedeutung früherer Jahrzehnte, erklärte eine Sprecherin der Douglas-Holding. Verbraucherschützer raten generell dazu, auch bei den dicken Prozentzeichen weiter einen kühlen Kopf zu bewahren. Nicht jeder marktschreierische Rabatt sei auch ein Schnäppchen, warnen sie.

Von Marco Engemann und Volker Danisch (dpa)

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